Das EDZ Team Leistungsangebot Veranstaltungen Forschung
home | Praxis | Klinik | Institut | Anfahrt | Kontakt | Terminanfrage | Presse |
Buchveröffentlichungen | Links


End- und Dickdarm-Zentrum Mannheim
Bismarckplatz 1
D-68165 Mannheim
Tel. 0621 / 12 34 75-0
Fax 0621 / 12 34 75-75
mail@enddarm-zentrum.de

Möchten Sie online
einen Termin vereinbaren?

zurück zur Übersicht

01.10.2002 | Wie finde ich einen Enddarm-Spezialisten?

Bis heute gibt es einen offiziellen Qualitätsnachweis, also einen „Facharzt für Proktologie" (noch) nicht. Deshalb fällt es betroffenen Patienten oft schwer, einen solchen Enddarm-Facharzt zu finden.

Die Proktologie, d.h.die Lehre von den Enddarmerkrankungen ist eine alte Wissenschaft. Schon die Pharaonen hatten Ärzte, die sich speziell um diese Probleme der ägyptischen Gottkönige kümmern mussten: „die Wächter des göttlichen Anus". Wie und wo diese „Wächter des Anus" damals ihre Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten erworben und nachgewiesen hatten, wissen wir heute nicht mehr. Wo gibt es nun in Deutschland qualifizierte „Anal-Wächter", also Enddarm- Spezialisten?

Die Proktologie kann man keiner einzelnen fachärztlichen Spezialität zuordnen. Sie ist ein interdisziplinäres Fach, dessen Beherrschung fundierte Kenntnisse aus mehreren Gebieten erfordert. Zunächst gehören hierzu chirurgische und spezielle internistische, d.h. gastroenterologische Kenntnisse und Fertigkeiten. Des weiteren bedarf es für eine qualifizierte Betreuung vor allem hautärztlicher, aber auch allgemeinärztlicher Erfahrungen. Darüber hinaus aber bedarf es spezieller proktologischer Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen.

Obwohl in Deutschland jeder zweite bis dritte Erwachsene mehr oder weniger häufig, mehr oder weniger intensiv mit Problemen seines letzten Verdauungsabschnittes konfrontiert ist, obwohl sich in den vergangenen 20 Jahren international entscheidende neue wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse auf diesem Gebiet aufgetan haben, gibt es bis heute (zumindest in Deutschland) keine offizielle Qualitätsnorm für die Behandlung dieser Patienten – im Gegensatz zu anderen Spezialfächern wie etwa für Augenleiden, Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen oder Frauenleiden. Aus diesem Grund darf deshalb nahezu jeder Arzt, wenn er sich für ausreichend qualifiziert hält, Enddarm-Patienten behandeln. Andererseits dürfen Spezialisten, die ihre Qualifikation durch inoffizielle Prüfungen usw. nachgewiesen haben, dies in der Öffentlichkeit nicht bekannt machen und darüber auch nicht auf ihrem Arztschild informieren.

Diese für den Patienten sehr missliche Situation hat den Berufsverband der Coloproktologen Deutschlands bereits vor vielen Jahren veranlasst, hier eine offizielle Qualifikation einzufordern.

Um trotzdem eine solche Qualitätsnorm – wenn auch inoffiziell – zu schaffen, hat sich dieser Verband eigene Qualitätsrichtlinien geschaffen. Nur solche Ärzte, die diese Qualitätsrichtlinien erfüllen, können Vollmitglieder, sogenannte „qualifizierte Mitglieder" dieses Verbandes werden. Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Berufsverband der Coloproktologen ist zunächst eine mehrjährige klinische ärztliche Tätigkeit. Der Bewerber muss dann einen 10 stündigen theoretischen Grundkurs auf diesem Spezialgebiet absolvieren und die anschließende 1 stündige schriftliche Prüfung bestehen. Damit hat der „Anwärter" aber nur die erste Stufe erreicht, d.h. seine theoretischen Grundkenntnisse erworben. In den folgenden zwei Jahren muss er sich bei den vom Berufsverband zugelassenen Einrichtungen spezielle chirurgische, gastroenterologische, hautärztliche und spezielle proktologische Erfahrungen und Fertigkeiten aneignen. Über ein Punktesystem verpflichtet er sich gleichzeitig zu einer intensiven Teilnahme an wissenschaftlichen Kongressen und speziellen Fortbildungsveranstaltungen.

Nach diesen zwei Jahren muss er dann eine mündliche Prüfung vor drei qualifizierten langjährigen Mitgliedern des Verbandes ablegen. Erst wenn der Anwärter auch diese Hürde übersprungen hat, ist er ein qualifiziertes Mitglied des Verbandes – mit der Verpflichtung,die medizinischen Regeln des Verbandes auch zukünftig sorgfältig zu beachten.
Dies bedeutet vor allem, dass sich das Verbandsmitglied nachweisbar kontinuierlich fortbildet, sonst wird es aus dem Verband ausgeschlossen.

Offiziell darf der Begriff „Proktologe" oder „Enddarm-Spezialist" nicht geführt werden – weder im Telefonbuch noch auf dem Praxisschild. Natürlich spricht sich die besondere Qualifikation eines solchen Arztes unter Freunden und Verwandten herum. Aber wer redet schon gerne über seine Enddarmprobleme!

Selbstverständlich wird die zuständige Ärztekammer oder die Kassenärztliche Vereinigung mit entsprechenden Auskünften helfen; diesen Institutionen sind die Spezialisten in der Regel bekannt.

Darüber hinaus aber stellt der Berufsverband der Coloproktologen über seine Geschäftsstelle entsprechende Adressenlisten zur Verfügung:

Berufsverband der Coloproktologen Deutschlands e.V.
Prinzregentenstraße 121
81677 München
Telefon 089 /470 82 79,
Fax 089 /470 18 09

Noch einfach ist es über das Internet: unter www.coloproktologen.de lassen sich sehr einfach die Spezialisten in der Nähe finden.

Fraglos gibt es sicher auch qualifizierte Enddarm-Spezialisten, die nicht Mitglieder dieses Berufsverbandes sind. Allerdings haben sie einen Nachweis ihrer Qualifikation nicht erbracht.

Gerade weil so viele Menschen Probleme mit ihrem After haben, gerade weil für eine gute Versorgung besondere Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten erforderlich sind, gerade weil die wissenschaftlich-medizinischen Erkenntnisse auf diesem Spezialgebiet von Jahr zu Jahr größer werden, wäre eine offizielle Qualifikationsnorm auch auf diesem Spezial- gebiet dringend geboten.

Jens Kirsch© Prokto - Herbst 2002

EDZ 2010 | Kontakt | Impressum